Neues Wissen für Berufsbildende

Am 18. September fand im Rahmen der Berufsmesse Thurgau das Berufsbildungsforum auf dem Gelände des BBZ Weinfelden statt. Fachleute informierten die anwesenden rund 150 Gäste über die anspruchsvolle Aufgabe, richtig auf Lernende einzugehen.

«Ich hoffe, sie sind durch die Hallen geschlendert und haben die Welt der Berufsmesse kennen gelernt», sagt Gewerbeverbands-Geschäftsleiter Marc Widler zu Beginn des Berufsbildungsforums in der Aula des BBZ. Über 70 Prozent der Jugendlichen im Thurgau entscheiden sich nach der Sekundarschule für eine Lehre, ein Spitzenwert in der Schweiz, wie Widler sagt. «Die Lehrbetriebe und mit ihnen Sie als Berufsbildungsverantwortliche übernehmen deshalb in unserem Kanton eine besonders wichtige Aufgabe», sagt er, an die 150 Gäste im Saal gerichtet. «Deshalb haben wir das heutige Thema gewählt: Stark durch die Lehre.»

Maximilian Koch führt durch den Nachmittag. Nach einem lockeren Einstieg stellt er den ersten Referenten Manuel Niedermann vor «Wir wollen als ersten Schritt hören, wie es unseren Jugendlichen geht in der Lehre. Dazu hat Niedermann mit seiner Firma WorkMed eine Studie gemacht, für die 50'000 Jugendliche befragt wurden.»

Aufbruch und Unsicherheit
«Wir sind in die Lebenswirklichkeit der Lernenden eingetaucht. Ein Viertel aller Lernenden in der Schweiz hat teilgenommen», sagt Niedermann. Nach den positiven Erkenntnissen – beispielsweise, dass es 80 bis 90 Prozent der Jugendlichen gut bis sehr gut geht in der Lehre und sie Sinnhaftigkeit, Berufsstolz und ihr Befinden hoch bewerten – kommen auch negative zur Sprache. Zum Beispiel, dass sechs von zehn Sorgen haben wegen Überforderung mit Schulaufgaben oder weniger Freizeit. Ebenso kommt zu Tage, dass vom Kindesalter bis und mit Lehre schon 61 Prozent aller Jugendlichen mindestens einmal psychische Probleme hatten. «Wir haben also sowohl Aufbruchstimmung als auch Unsicherheit, wenn jemand in die Lehre kommt», resümiert Niedermann. «Das Gute ist, 87 Prozent traut sich zu, mit den Herausforderungen umgehen zu können.» Diese Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, hat jedoch zwei Seiten. Einerseits zeigt sie die Stärke der Jugend, andererseits aber auch, dass sie vieles einfach verschweigen und in sich hineinfressen.

Der Konsens am Berufsbildungsforum ist deshalb unter allen Rednern: ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Lernenden und ihren Betreuungspersonen ist das Allerwichtigste. Wenn Vertrauen vorhanden ist, sind auch Gespräche über schwierige Themen möglich. Dann kann man auch schon bei frühen Anzeichen von Problemen reagieren, und nicht erst, wenn es schon fast zu spät ist. Oder ganz einfach öfter die Frage stellen, welche schon den ganzen Nachmittag lang auf dem gelben Bänklein vorne im Saal prangt: «Wie geht's dir?»

Das Bänkli mitgebracht hat Beatrice Neff, sie ist Angebotsleiterin psychische Gesundheit bei der Perspektive Thurgau. Schon seit zwölf Jahren läuft in der Schweiz die Kampagne «Wie geht’s dir?», welche psychische Gesundheit zum Thema machen will. «Die Frage ist flapsig und doch so wichtig. Sie zeigt dem gegenüber nämlich: du interessierst mich, ich nehme dich wahr», sagt Neff in ihren kurzen Ausführungen. Zudem soll die Kampagne motivieren, auch über Schwächen zu sprechen und nicht wegen falschem Stolz alles in sich reinzufressen. Und für solche Gespräche zwischen Berufsbildenden und Lernenden hat sie noch einen Tipp: «Man soll sich bewusst Zeit nehmen für ein solches Gespräch, den Termin aber auch begrenzen. So wird es zu einer selbstverständlichen Aufgabe.»

In der Folge des zweistündigen Berufsbildungsforums erfahren die Anwesenden von den beiden Lehrlingsverantwortlichen Andrea Haussener und Simon Gerber noch, wie sie in ihren Unternehmen – der GDELS in Kreuzlingen und der Thoman Nutzfahrzeuge AG in Frauenfeld – mit den Lernenden umgehen. Besonders interessant: Der Kreuzlinger Rüstungskonzern setzt für seine 68 Lernenden sogar einen neutralen Coach ein. «Das entspannt die Konfliktsituation, da man als Ausbildner zwar ein Gspüri für die Lernenden entwickelt, diese ja aber auch bewerten muss. Beim Coach können sie völlig befreit sprechen – und das hat eine regelrechte Eigendynamik angenommen. Die Lernenden gehen gerne zu ihm und empfehlen das sogar ihren Kollegen.» Auch Haussener betont, wie wichtig es sei, früh auf erste Alarmzeichen wie häufige Absenzen, Unmotiviertheit oder Unzuverlässigkeit zu reagieren. «Unbedingt hinschauen!», sagt sie und gibt als Tipp im Gespräch mit Moderator Maximilian Koch den Anwesenden noch mit: «Man muss für ein Gespräch auch mal aus den vier Wänden raus. Raus an die frische Luft, das hilft.»

Bericht des Thurgauer Gewerbeverbandes, Mario Testa, vom 01. Oktober 2026

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.